eisig-bunter dezember
Der Dezember bringt eine eigene Ruhe mit sich.
Die Tage sind kurz, das Licht weich, manchmal fast still. Beim Zeichnen spüre ich in dieser Zeit besonders deutlich, wie sehr es mir ums Wahrnehmen geht – weniger ums Festhalten, mehr ums Dasein.
Im Laufe des Monats habe ich viele kleine Zeichnungen gemacht. In Cafés, auf der Straße, unterwegs. Oft waren es nur wenige Minuten, schnelle Linien, flüchtige Eindrücke. Nicht jede Zeichnung war „schön“, aber jede war ehrlich. Sie erzählen von Bewegung, von Licht in Fenstern, von Momenten, die sonst leicht verloren gehen.
Gegen Ende des Monats hatte ich eine Begegnung, die alles noch einmal verändert hat.
Ein Eisvogel – nur für einen Augenblick. Ein Aufleuchten von Farbe am Wasser, dann war er verschwunden. Dieser kurze Moment hat sich festgesetzt, viel stärker als manch längere Beobachtung.
Zu Hause ließ mich der Eisvogel nicht los. Ich begann zu recherchieren, Bilder anzuschauen, Texte zu lesen. Nicht aus dem Wunsch heraus, ihn korrekt abzubilden, sondern um ihm näherzukommen. Um zu verstehen, was mich an diesem Moment berührt hatte. Erst dann habe ich angefangen, ihn zu zeichnen.
Die entstandene Zeichnung ist weniger eine Abbildung als eine Erinnerung.
Sie erzählt von diesem einen Augenblick, vom Staunen, vom Nachklang. Und davon, wie aus einem kurzen Erleben eine Geschichte wird, die weitergetragen werden möchte.
Genau hier trifft für mich das Zeichnen auf das Erzählen.
Natur ist nicht nur Motiv, sie ist Ausgangspunkt. Ein Impuls, der nachwirkt, sich verwandelt und schließlich seinen Weg aufs Papier findet.
Dieser Dezember hat mich daran erinnert, warum ich zeichne:
weil Erinnerungen Zeit brauchen. Beim Zeichnen darf ein Moment bleiben, sich entfalten und zu etwas werden, das über den Augenblick hinaus trägt.